Neues Konzept für die Baumpflege in der Oststadt gefordert

Auf Einladung des Arbeitskreis Oststadt (AKO) führte das Sachverständigenbüro für Baumqualität Ulrich Walter, Pfedelbach, vor einigen Tagen eine Baumbegehung in der Oststadt durch und stieß auf eine Vielzahl eklatanter Fehler in der Pflege und Betreuung der Bäume in der Kaiserstraße und auf dem Leonhardsplatz.

„Bäume im öffentlichen Raum sind Teil des Eigentums der Bürger einer Kommune, gehören nicht zum frei verfügbaren Besitzstand einer Verwaltung und sind dieser lediglich zur sachgerechten Pflege anvertraut.“ Mit diesen und anderen Aussagen überraschte Ulrich Walter am Freitag vorletzter Woche mehrere Mitglieder des Sprecherkreises des AKO.

Der Arbeitskreis Oststadt wollte nach den letzten heftig kritisierten Baumfällaktionen der Stadtverwaltung endlich Licht ins Dunkel bringen und hatte dazu einen vom Regierungspräsidium Stuttgart öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Baumqualität eingeladen. Anlass war der seit langem bestehende Eindruck, dass mit den Bäumen das wertvolle Erbe der Landesgartenschau in Reutlingen, aus dem Jahr 1983, vom Gemeinderat und von der Verwaltung nicht mehr ausreichend wertgeschätzt wird.

Mangelnde Vitalität der Bäume wird in Kauf genommen

Und tatsächlich, alle Baumquartiere sind aktuell so klein geschnitten, dass die Vitalität der Bäume bedroht ist und „sehr starke Absterbe-Erscheinungen“ provoziert werden. Dies müsse so nicht sein, führte Walter aus. An vielen Stellen wäre es mit wenig Aufwand möglich, den Boden um die Bäume zu öffnen und damit den Wurzeln endlich mehr Wasser und Nährstoffe zuzuführen.

In dem schriftlichen Gutachten, dass der AKO auf seiner Website veröffentlicht hat www.ak-oststadt.de führt Walter aus: „Anhand der noch vorhandenen Baumstümpfe konnte man außerdem sehen, dass manche Fällung hätte nicht ausgeführt werden müssen. Es waren keine Fäulen oder Pilze zu erkennen.“

Manche Fällung wäre nicht notwendig gewesen

Vor diesem Hintergrund wies Walter darauf hin, dass vor einer Fällung eine Baumkontrolle regelmäßig durchzuführen sei. Diese darf nur durch einen FLL-zertifizierten Baumkontrolleur unter Beachtung der FLL-Baumkontrollrichtlinien und der ZTV-Baum durchgeführt werden. Sollte dann tatsächlich einmal ein Baum wegen mangelnder Bruch- und Verkehrssicherheit zur Fällung vorgeschlagen werden, wird ferner dringend angeraten, zusätzlich das „Vier-Augen-Prinzip“ anzuwenden.

Damit nicht genug, greift der Baumsachverständige in seinem Gutachten eine frühere Forderung des AKO auf: „Auch wurde festgestellt, dass es überhaupt keine Nachpflanzungen gibt. Auch wenn die Stadtverwaltung Reutlingen eine Überplanung der gesamten Kaiserstraße vorsieht, kann man trotzdem als Übergangslösung Bäume nachpflanzen und gegebenenfalls nochmals versetzen.“ Ein solcher Umzug der Bäume wäre auch heute schon ohne weiteres möglich, so Walter.

Nachpflanzungen sind dringend geboten

Da mittlerweile bereits erste Straßenseiten mehrere hundert Meter baumlos sind und in den heißen Sommermonaten gesteigerter Hitzestress zu erwarten ist, muss dies nach Ansicht des AKO eine erste wichtige Maßnahme in der Klimafolgenabwehr sein.

Wird in der Kaiserstraße eine große Kanalsanierung durchgeführt, „müsse eine Fällung der Bäume nicht sein“, führte Ulrich Walter ferner aus. Im Gegenteil: „Bei der Ausführung der Kanalsanierung müssen die Bäume und die Baumquartiere geschützt werden. Hier muss die RAS LP4 und die DIN 18920 unbedingt berücksichtigt werden.“

  • Deshalb fordert der AKO ein signifikantes Umdenken beim Erhalt und bei der Pflege der Bäume im öffentlichen Raum und Sofort-Maßnahmen zur Nachpflanzung sowie ein tragfähiges Konzept zu deren Finanzierung.
  • Darüber hinaus erwartet der Arbeitskreis Einsicht in die Entscheidungsfindung und die Mitbeteiligung hinsichtlich der Pflege, Fällungen und Neupflanzung von Bäumen im öffentlichen Raum durch vereidigte Baumsachverständige.

Bericht zur Begutachtung der Robinien Kaiserstraße Reutlingen (PDF)

Baumbegehung des AKO in der Kaiserstraße mit Herrn Ulrich Walter (zweiter von links)

 

Bei einer einfachen Vergrößerung des Baumquartiers hätte dieser Baum gerettet werden können.

Ergebnis der Begutachtung des Stammes: Unnötigerweise gefällter Baum vor „Udo`s Snack“.

 

Zu viel Einengung und zu viel Hunde-Urin. Dieser Baum ist in Not und braucht Hilfe!