Geplante Charlotten-Straßen-Sperrung stößt beim AKO auf breite Ablehnung.

Durch Informationsbriefe, Aushänge und Info-Veranstaltungen hat der Arbeitskreis Oststadt (AKO) die zurückliegenden Sommermonate genutzt, um über das Vorhaben der Stadtverwaltung zur Sperrung der Charlottenstraße zu informieren und sich ein Meinungsbild zu den geplanten Maßnahmen zu verschaffen. Neben deutlicher Kritik am bisherigen Vorgehen der Stadt wurde viele Punkte für eine durchdachtere Verkehrsplanung in der Oststadt angemahnt.

Bei vielen Zuschriften und insbesondere bei einer Info-Veranstaltung Ende August wurde das Vorgehen der Stadtverwaltung hinsichtlich weiterer Verkehrsberuhigungen als willkürlich, einseitig und interessengelenkt kritisiert. So stünden die geplanten Maßnahmen betreffend Straßensperrung Charlottenstraße, mögliche Sperrung der Gartenstraße sowie der Pollerverbau entlang der Planie nicht auf dem Boden der bisherigen Bürgerbeteiligung. Prämissen würden ignoriert und Zusagen nicht eingehalten.
Stattdessen wurde unter den anwesenden Anwohner*innen und Gewerbetreibenden die Befürchtung geäußert, dass durch die geplanten Eingriffe der Gesamtverkehr in der Oststadt nicht mehr abfließen kann und dies den Standort Oststadt in seiner Attraktivität schwächt.

„Die Wertigkeit von Radfahrern und der Radverkehr insgesamt wird offenbar höher bewertet, als Arbeitsplätze und funktionierende Betriebe,“ äußerte eine ältere Geschäftsfrau verärgert. Zwar wird Fahrradverkehr als Teil der klimakonformen Mobilität positiv gesehen, aber in einer Zuschrift äußerte die Geschäftsleitung eines ansässigen Planungs- und Projektbüros: „Die Maßnahmen der letzten Jahre und die totale Entschleunigung der Oststadt mag für bestimmte Lebensformen und Berufsgruppen sehr wünschenswert sein, aber man sollte auch die Funktionsfähigkeit der vielen kleineren und größeren Betriebe, Büros und Institutionen erhalten.“

Insbesondere mit Blick auf das geplante neue Heinzelmann-Areal, mit seiner ca. 6.500 m² Nutzfläche und Gewerbebetrieben, mit einem Waren- und Dienstleistungsangebot, das über die Nahversorgung hinausgehen dürfte, wäre es nach Ansicht des AKO kontraproduktiv und würde ein völlig falsches Signal setzen, wenn die Oststadt schrittweise verkehrstechnisch abgeriegelt wird.
Die Funktionsfähigkeit vieler Betriebe und Büros in der Oststadt muss erhalten bleiben.

Auch hinsichtlich der Charlottenstraße als „Fahrradstraße“ ist das Meinungsbild eindeutig: „Der Fahrradverkehr in der Oststadt läuft nicht nur über diese eine Straße“ äußerte sich ein jüngeres Pärchen „und außerdem ist die Charlottenstraße ohnehin die falsche.“ Sie eignet sich weder als Schnellweg für Pendler, noch ist sie für Einkäufe oder Erledigungen ausreichend innenstadtnah. Um den Effekt von Fahrradstraßen zu testen, wäre eine kleinere Seitenstraße sinnvoller gewesen. In vielen Wortbeiträgen wurde darauf hingewiesen, dass die Kaiserstraße früher einen gut markierten, extra ausgewiesenen Radweg in Verbindung mit dem Gehweg hatte, der unverändert vermisst wird. Zur Durchfahrt für radfahrende Pendler*innen aus Eningen/Pfullingen in die Stadtmitte oder zum Bahnhof wäre die alte Bahntrasse sehr vermutlich die wesentlich attraktivere, weil schnellere und weitestgehend autofreie Verbindung.

Mehrere Stimmen äußerten außerdem ihren Unmut über zunehmend aggressiveres Verhalten von Radfahrer*innen gegenüber dem Fußverkehr in der Oststadt. Bürgersteige würden zur schnellen gegenläufigen Fahrt genutzt und damit Ältere und Familien gefährdet. In diesem Zusammenhang kam die Frage auf: „Warum tut die Stadt nichts gegen die Verstöße von Radfahrer*innen, wie sie es beim Autoverkehr auch macht?“

Ferner wurden die geplanten Poller an den Kreuzungen entlang der Planie kritisiert. Diese dürften dafür sorgen, dass Radverkehr – der sich nicht auf einen Verteilungskampf mit den bereits entnervten Autofahrer*innen einlassen will – die Fahrbahn kurzerhand verlässt und im Kreuzungsbereich vermehrt auf dem Bürgersteig fahren dürfte.
Auch wurde nochmals darauf hingewiesen, dass Parkplätze ein wichtiger Beitrag für den Erhalt der Arbeitsplätze seien.
Der Busverkehr hat die Lebensqualität an den Bustrassen in der Oststadt deutlich verschlechtert.

Zwar wird grundsätzlich das verbesserte Busangebot begrüßt, aber insbesondere die hohe Taktfrequenz der zum Teil sehr schnell fahrenden Busse in der Beutterstraße, plus deren Abgase als auch das konzentrierte Parkaufkommen von Bussen in der Kaiserstraße führten zu deutlicher Kritik der hier lebenden Anwohner. Die hohe Anzahl sei eine Zumutung, die Abgase seien übel und die anfahrenden Busse würden viel störenden Lärm verursachen. Die Frage wurde laut „warum eigentlich auch in Nebenzeiten so viele große Gelenkbusse fahren müssen, die doch oftmals sehr wenig Fahrgäste transportieren würden?“

Beim Thema Fußverkehr wurde darauf hingewiesen, dass die Straßenbeläge in der Planie, aber auch an anderer Stelle in der Oststadt, einem Flickenteppich ähneln würden und diese insbesondere für Rollatorfahrer*innen eine Belastung wären. Gleiches wurde hinsichtlich der funzeligen Straßenbeleuchtung in der Planie angemerkt, die in der dunklen Jahreszeit wenig Leuchtkraft hätte, wie auch das ersatzlose Entfernung von Parkbänken und die viel zu klein dimensionierten Papierkörbe, die mit Fastfoodbechern und Pizzaschachteln regelmäßig überfordert seien.
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Getreu dem Motto „Leben, Arbeiten und Wohnen in der Oststadt. Die Mischung macht’s!“ tritt der AKO vehement für einen auch in Zukunft einladenden und vielfältigen Stadtteil ein. www.ak-oststadt.de