Pressemitteilung vom 07.03.2022

AKO hat nachgefragt: Gewerbetreibende sind gegen Durchfahrtssperrung der Charlottenstraße

In einer repräsentativen Umfrage hat der Arbeitskreis Oststadt von einer gegenläufigen Einbahnstraße betroffene Gewerbetreibende in der Charlottenstraße befragt und erstaunliche Ergebnisse zu Tage gefördert.

Befragt wurden 13 von 18 Gewerbetreibenden und Solo-Selbständigen (72%), quer durch alle Branchen, wobei Dienstleistungen überwogen. Bis auf einen sind alle Befragten direkte Anlieger der Charlottenstraße und deren nahe Zufahrten und bis auf einen kritisieren alle die vorgesehene gegenläufige Einbahnstraße deutlich: „Gegenläufige Einbahnstraße bedeutet mehr CO2 und mehr Staus, beispielsweise in der Kaiserstraße,“ ist sich ein Grafik-Designer sicher. „Zufahrtssperren sind Verschwendung von Steuern, die wir als Unternehmer bezahlen,“ kritisiert ein Ingenieur.

Fast alle der an der Befragung Teilgenommenen nutzen alle Verkehrsmittel, inkl. ÖPNV. Allerdings wird dem Auto in Sachen Erreichbarkeit und Verfügbarkeit in 6 von 10 Fällen der Vorzug gegeben. Für Kunden und Mitarbeiter „gut und einfach erreichbar zu sein, hat für den Fortbestand unseres Büros höchste Bedeutung“ beschreibt ein Inhaber eines Architekturbüros seine Situation. Dabei wird die Verkehrsberuhigung und die Einbeziehung des Radverkehrs durchaus begrüßt, aber anders als viele Verkehrsexperten sich das vermutlich vorstellen dürften, nämlich mit dem Wunsch nach einer erhöhten Regulierung und Kontrolle des Radverkehrs.

Unterlegt wird dies nicht nur mit persönlich erlebten schweren Unfällen unter Radfahrer/innen in der Charlottenstraße, sondern mit eigenen Erlebnissen von Beinahe-Zusammenstößen durch deutlich zu schnell fahrenden Pedelecs, zum Teil ohne Licht, rüpelhaftem Verhalten oder rücksichtslosem Befahren des Gehwegs – sogar neben der Fahrradstraße. „Fahrradfahrer meinen sie seien die Kings, gefährden andere und sind nicht bereit zu bremsen, auch wenn ein Lieferwagen gerade ordnungsgemäß aus einer Einfahrt herausgefahren ist“, beklagt der Betreiber eines technischen Labors. „Es ist höchste Zeit, eine generelle Kennzeichnungspflicht wie in der Schweiz einzuführen, um solches Verhalten ahnden zu können.“

So nimmt es nicht Wunder, dass knapp 35% als regulatorische Maßnahme für die Verkehrsberuhigung einen Smiley-Tempoanzeiger bevorzugen – schließlich gilt dieser nicht nur für Autofahrer/innen sondern auch für die Raser unter den elektrisch verstärkten Radfahrern/innen. Es folgt mit 26% der Vorschlag zur temporären Durchfahrtsbegrenzung mit mobilen Pollern und Ampeln, dem man unverändert eine Chance einräumt. Ebenfalls sinnvoll werden spezielle Fahrbahnbeläge und Fahrbahnkanten vor und nach dem Stadtgarten gesehen (22%).

Deutliche Kritik wurde am Verhalten und an der Kommunikationspolitik der Stadtverwaltung geübt. Nicht nur dass entgegen den Behauptungen der Verwaltung – bis auf einen Betrieb – mit keinem einzigen Gewerbetreibenden vorher gesprochen wurde, es findet auch keinerlei Einbezug statt. „Bürgerbeteiligung existiert nicht. Mindestens bei so einem Projekt wie einer Fahrradstraße hätte eine direkte Anliegerkommunikation stattfinden müssen!“ meint ein betroffener Weinhändler. „Eigentümer sollten in Entscheidungen besser eingebunden werden,“ fordert ein Bauleiter. „Schade, dass die alte Bahntrasse nicht als Fahrradschnellweg genutzt wird,“ meint eine leitende Angestellte. „Für Schulen ist kein Geld da, aber für gegenläufige Fahrradstraßen.“