AKO befürchtet Kahlschlag

In einem eigens angesetzten Adhoc-Treffen des Arbeitskreis Oststadt (AKO) diskutierten die Sprecher des Arbeitskreises am 19.05. die von der Stadtverwaltung zur Planung vorgeschlagenen, weitergehenden Verkehrsberuhigungsmaßnahmen und kritisierten diese scharf.

 
Zuvor hatte ein informeller Termin der „Begleitgruppe Masterplan Oststadt“ am 12. Mai im Rathaus stattgefunden, der Corona-bedingt nur im kleinen Kreis möglich war. Herr Dvorak, Herr Lude und Herr Riethmüller stellten dabei mögliche weitere Pläne zur Verkehrsberuhigung der Oststadt vor.

Das Treffen begann zunächst mit der Bekanntgabe der Zählwerte, um die der AKO die Stadtverwaltung in der letzten Bürgerbeteiligungssitzung gebeten hatte. Und diese sind eigentlich ein Grund zu großer Freude, hat sich doch die Verkehrsbelastung der Oststadt seit 2004 und seit Eröffnung des Scheibengipfeltunnels um ca. 50% reduziert – und das, obwohl sich in dieser Zeit Zulassungs- und Einwohnerzahlen in Reutlingen um ca. 10% erhöht haben sollen. Wurden bspw. 2004 noch in der Kaiserstraße stellenweise bis zu 13.100 Autos, oder in der Gartenstraße stellenweise 10.750 Autos pro Tag gemessen, waren es bereits VOR Inbetriebnahme des neuen Stadtbuskonzepts 2019 in der Gartenstraße nur noch 5.442 und nach dessen Inbetriebnahme sogar in der Spitze nur noch 4.740 Autos pro Tag.

Erfreuliches wurde auch vom Fahrradverkehr berichtet. Lag dieser in der Gartenstraße vor dem Stadtbusumbau trotz der Nähe zur Altstadt nur bei 92 Radlern, vervierfachte sich dieser nach der Umgestaltung der Gartenstraße auf bis zu 393 Fahrradfahrer.

Mit der Ankündigung, die Fahrrad- und Fußgängerachse Planie zu stärken, wurde eine weitere Maßnahme aus den Ergebnissen des Bürgerbeteiligungsprozesses angekündigt – auch wenn dies nun aus Kostengründen nur noch relativ unschön, mit Pollern und Bodenplatten geschehen soll.

Trotz guter Zahlen soll Charlottenstraße gesperrt werden.

Im Weiteren wurde allerdings klar, dass diese insgesamt positive Entwicklung offenbar keinen Anlass darstellt, weitergehende Forderungen, wie beispielsweise die Sperrung der Charlottenstraße für den Autoverkehr auf Höhe der Planie, als überspitzt zurückzuweisen. Damit nahm Stadtplaner Stefan Dvorak eine grundlegend andere Haltung ein, als wie sie noch in einem Pressegespräch im November 2016 geäußert wurde.

Auch Philipp Riethmüller, verantwortlich für die Planung des Radverkehrs in Reutlingen, führte aus, dass es einen politischen Beschluss gebe, dass das Verhältnis zwischen Auto- und Radverkehr zugunsten des Radverkehrs auf 50 zu 50 verbessert werden müsse. Und wenn das nicht mit den bisherigen Maßnahmen gehe, dann eben durch eine Sperrung der Charlottenstraße für den Autoverkehr.

Damit nicht genug, wurde die Vergabe eines Planungsauftrags zur Sperrung der Gartenstraße auf Höhe Krämerstraße für den Autoverkehr angekündigt. Darüber hinaus gehende weitere Sperrungen werden bereits diskutiert.

AKO distanziert sich von vorgestellten Planungsaufträgen.

Der Arbeitskreis Oststadt (AKO) distanzierte sich deutlich von dem Vorhaben die Charlottenstraße für den Durchgangsverkehr zu sperren, wie auch von weiteren Planungsaufträgen. Der AKO sieht diese allesamt außerhalb der bisherigen Bürgerbeteiligung, die damit hinfällig wird und hält diese Eingriffe eingedenk der bereits heute schon guten Gesamtentwicklung für das Quartier obendrein für unverhältnismäßig.

Die noch 2016 erkannte belastende Verlagerung des Ziel- und Quellverkehrs in der Oststadt auf einige wenige durchgehende Straßen – wie Kaiser- und Bismarckstraße – wird offenbar jetzt von den Stadtplanern mit einer damit einhergehenden Verschlechterung der Lebensqualität für die Anwohner in Kauf genommen und ohne Folgenabschätzung umgesetzt.

Der AKO befürchtet im Weiteren, dass längst vergessen geglaubte Szenarien, wie das Abschlagen der Bäume in der Kaiserstraße, um diese dann in der Folge zweispurig und gegenläufig ausbauen zu können, wieder fröhliche Urständ feiern könnten.

Zukünftige Planie 22 wird nicht berücksichtigt.

Zudem sieht der AKO für die Zukunft, dass die Umgestaltung der Planie 22 in ein attraktives Gewerbe- und Wohnareal keine ausreichenden Parkflächen für Besucher aufweisen wird. Man darf gespannt sein, wie die dort benötigten Kunden- und Gästegruppen aus dem weiteren Umland dieses Areal für Einkäufe erreichen sollen, wenn wohlmöglich nur noch zwei durchgehende Straßen existieren.

Der AKO tritt vehement für die Erhaltung des lebensbejahenden Mischgebietes Oststadt ein. Die vorhandenen Büros, Dienstleister, Arztpraxen, Läden und kleinen Gewerbetreibenden benötigen keine Straßensperren.

Vielmehr geht es den ohnehin aktuell schwer belastenten Betrieben – mit ca. 6.000 steuerpflichtigen Beschäftigten eines der vitalsten Gewerbestandorte der Stadt – um eine gesicherte, individuelle Erreichbarkeit durch das weitere Umland, eingebettet in eine zukunftsweisende Standortförderung.

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